Auch wenn er statistisch am 31. August zu Ende ging: Der Sommer 2026 hat noch lange nicht fertig. Dies zeigten bereits (damals noch „Ausnahmesommer“ genannt) bereits 2018 und 2003. Ist ein solches Muster mal eingefahren, bringt man es fast nicht mehr weg, weil die rekordwarmen Meere rundherum den Verbleib des Subtropenhochs bei uns stützen oder zumindest dessen rasche Regeneration nach einem Kaltluftausbruch fördern. In diesem Jahr kommt noch hinzu, dass El Niño die Tropensturmentwicklung auf dem Nordatlantik bremst und somit auch von dieser Seite kein Eingreifen ins europäische Zirkulationsmuster zu erwarten ist. Selten war eine Septemberprognose vermeintlich so einfach, was Überraschungen trotzdem nicht ausschliesst.

Wenn es dir auch im September noch zu heiss ist, mach es wie der Mornellregenpfeifer: Erhole dich im Gebirge (Graubünden, 2650 m, 04.09.2013)
Auch wenn das amerikanische Langfristmodell nicht ohne Spassläufe auskommt, die einzig der Unterhaltung dienen: Grossmehrheitlich ist der Trend klar ersichtlich und zeigt auch ungefähr den Weg, den das europäische Modell vorschlägt. Dieses zeigt auch im gesamten September nur eine Wahrscheinlichkeit von 5-10 % für die Entwicklung von Tropenstürmen auf dem Nordatlantik, El Niño sei Dank. Dies erleichtert die sonst schwierige September-Prognose ungemein, da schon mal ein gewichtiger Unsicherheitsherd wegfällt. Auch die Mittelfristmodelle sind sich weitgehend einig, dass das erste Monatsdrittel von einer zonalen Zirkulation geprägt sein wird mit überwiegend West antizyklonal, was ein deutliches Gefälle bei der Temperatur von Süd nach Nord bedeutet. Mit fortschreitendem Monat soll sich allmählich eine meridionalere, typisch herbstliche Zirkulation einstellen, indem sich der Hochschwerpunkt Richtung Britische Inseln und Island-Nordmeer verlagert. Dies entspricht alles dem statistischen Trend der letzten Jahre und erscheint somit plausibel.
Über den ganzen Monat gemittelt ergibt sich somit eine deutlich positive Geopotenzial-Anomalie mit Kern über Nordwesteuropa, die aber auch weite Teile Mittel- und Südeuropas umfasst. Einzig bei der gerechneten Ausdehnung bis ins Baltikum bin ich noch etwas skeptisch, leider entspricht kein CFS-Lauf meinen Vorstellungen, also müssen wir mal mit dem Gezeigten leben. Die negative Geopotenzial-Anomalie erstreckt sich von Ostgrönland über Nordskandinavien bis Westrussland und dann Richtung Schwarzmeer-Kaukasus-Region, wobei sie nach meiner Vorstellung in Osteuropa etwas ausgeprägter sein dürfte – wir werden sehen. Nach einer ersten Monatshälfte mit überwiegend West- oder auch mal Südwestlagen bis hin zu Hoch Mitteleuropa dürfte somit eine zweite unter Nordlagen-Regime (atlantischer Rücken) mit eventueller Tendenz zu Skandinavien-Hoch und somit Ostlagen folgen. Dies allerdings vor allem im westlichen Mitteleuropa so klar noch unter Hochdruckeinfluss, dass sich auch Luftmassen nördlicher Herkunft unter immer noch starker Sonneneinstrahlung tagsüber rasch erwärmen können. Einzig die Nächte werden bei solchen Lagen schon klar herbstlich anmuten.
Die Luftmassen-Temperatur in rund 1500 m Höhe zeigt eine Abweichung von über 3 Grad in fast ganz Westeuropa mit einem Kern von mehr als +5 Grad über der Biskaya. Entsprechend meiner Skepsis über den Hochdruckeinfluss bis ins Baltikum vermute ich ein stärkeres Gefälle nach Nordosten, als es die Karte unten zeigt. Diese Wärme schlägt im Modell auch nahezu uneingeschränkt bis zum Boden durch, was von Nordspanien über Frankreich und die Schweiz bis Westdeutschland einen rekordwarmen September bedeuten würde, also genau jenes Muster, das wir bereits fast den ganzen Sommer über hatten. Die gezeigte negative Temperaturanomalie vom östlichen Mittelmeer bis Nordafrika halte ich wie fast immer für übertrieben, aus welchem Grund auch immer hat das Modell die Klimaerwärmung noch nicht ganz verstanden.
Der nahezu permanente Hochdruckeinfluss erzeugt einen sehr trockenen September in weiten Teilen West- und Mitteleuropas. Unterbrochen werden dürften die langen trockenen Phasen hauptsächlich auf der Alpensüdseite: Das pipiwarme Mittelmeer ist nah und extrem ergiebige Gewitterregen sind somit jederzeit möglich. Dies erklärt auch die hohen Abweichungen in Teilen Spaniens. Die atlantischen Fronten werden hingegen meist in weitem Bogen über Nordeuropa gelenkt. Analog zur Skepsis bezüglich Hochdruckeinfluss bis nach Südskandinavien ist es auch hier fraglich, ob der Gesamtmonat dort so trocken wird wie gezeigt.
Auswirkungen auf die Vogelwelt:
Trotz einiger saftiger Niederschlagsereignisse in der zweiten Augusthälfte führen die Alpenflüsse weiterhin wenig Wasser, einzig nach kräftigen Gewittern kommt da mal ein kurzer Schwall daher. Entsprechend befinden sich die Pegel vor allem der unregulierten Gewässer wie dem Bodensee nach wie vor auf rekordtiefem Stand. Die so frei gewordenen Schlickflächen locken seltene Zugvögel an. Bei den weiteren Aussichten wird sich diesbezüglich nicht viel ändern, jahreszeitbedingt wird das Niveau eher noch etwas weiter sinken. Auch flache Gewässer müssen auf die raren Gewittertreffer hoffen, damit sie den Zugvögeln Rastmöglichkeiten bieten können. Von Winterfluchten aus dem Norden oder den Hochalpen müssen wir wahrscheinlich noch längere Zeit nicht sprechen. Vor allem die nordischen Arten wären gut beraten, noch so lange wie möglich an ihren guten Futterplätzen zu verharren. Aber wer teilt denen mit, dass bei uns alles ausgetrocknet ist…?

Prognostizierte Abweichung der Monatsmitteltemperatur in rund 1500 m Höhe gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausfürungen im Text beachten!)

Prognostizierte Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausführungen im Text beachten!)
Die experimentelle Monatsprognose nimmt Trends über die zu erwartende Entwicklung der Grosswetterlage in Europa auf und soll mögliche Auswirkungen der Witterung auf Vogelzug, Bruterfolg und Nahrungsverfügbarkeit der Vögel in den verschiedenen Regionen aufzeigen. Die Einschätzungen über Abweichung von Temperatur und Niederschlag sind jeweils über den Gesamtmonat gemittelt und können somit auch sich ausgleichende Extreme enthalten. Eine genaue Prognose über den detaillierten Witterungsverlauf ist in der Regel nicht möglich. Erfahrungsgemäss stimmt der Trend für die erste Monatshälfte recht gut, während in der zweiten Monatshälfte die Wahrscheinlichkeit von markanteren Abweichungen gegenüber der Prognose zunimmt.
Eine Verifikation der Langfristprognose für den vergangenen Monat mit einem Rückblick der Witterung in Europa finden Interessierte je nach Datenverfügbarkeit ab ungefähr dem 10. des Folgemonats im Blog der Partnerseite fotometeo.ch. Die europäischen Portale brauchen leider für die Veröffentlichung deutlich länger als die NOAA, deren Analyse-Tool seit Mitte März nicht mehr aktualisiert wird.
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