Oje, schon wieder Mai! ;-) Auch nach dem launischen April nimmt die grosse Unsicherheit aufgrund häufig meridionaler Lagen im Frühling noch nicht ab. Vom Wonnemonat ist schon längst keine Rede mehr: Die Niederschlagshäufigkeit ist im Mai von je her grösser als im April und zwei Mal blühen kann es auch nicht, wenn der April schon alles vorweg genommen hat. Bleibt die Vorfreude auf den Saisonhöhepunkt bei der Vogelbeobachtung, wenn auch die letzten Zugvögel angekommen sind und das Brutgeschäft auf Hochtouren läuft.

Mai ist Seeschwalben-Beobachtungszeit. Da Flussseeschwalben inzwischen hauptsächlich auf Flössen brüten, sind starke Wasserstandsschwankungen kein Problem mehr. Nahrung finden sie auch bei niedrigem Wasserstand wie hier Anfang Mai 2025 am Neuenburgersee.
Immerhin gibt es diesmal in den Langfristmodellen einen Mehrheitencluster mit nur wenigen Ausreissern komplett anderer Lösungen, die Unsicherheit beschränkt sich hiermit auf Details – doch der Reihe nach. Relative Einigkeit besteht über die negative Druckanomalie über dem Nordatlantik mit Tendenz zu häufigen Austrogungen. Das Zentrum der Tiefdruckaktivität liegt demnach zwischen Irland, den Azoren und der Biskaya, was häufige Süd- bis Südwestlagen zur Folge hat. Zwar haben diese Grosswettertypen normalerweise erst ab Juni Hochsaison, doch wenn sich fast alles nach vorne verschiebt, warum nicht auch diese Wetterlagen? Zumal sich auf dem zentralen Nordatlantik eine Kaltwasser-Anomalie gebildet hat, was im Sommerhalbjahr (anders als im Winter, dann stabilisierend und Nordlagen fördernd) die Tiefdruckaktivität und insbesondere das Austrogen begünstigt – Mitteleuropa liegt dann häufig auf der warmen Vorderseite. Entsprechend wird mit einer starken positiven Geopotenzial-Anomalie von Tunesien bis nach Osteuropa gerechnet. Die Grenze zwischen Hoch- und Tiefdruckeinfluss verläuft also meist genau über Mitteleuropa, was bedeuten kann, dass es hin und her geht, oder aber dass sich die eine (Westlagen) oder andere (Hochdrucklagen) Seite dauerhaft durchsetzt, worin das Risiko dieser Prognose besteht. Zumindest für die erste Monatshälfte zeigen die Mittelfristmodelle ein Hin und Her, daher fiel die Wahl auf diesen Lauf.
Bei der Temperaturabweichung besteht ein starkes Südost-Nordwest-Gefälle. Um drei Grad im Plus (wahrscheinlich abseits der Föhngebiete etwas gar hoch gegriffen) zeigt unser Lauf auch in Bodennähe des Alpenraums, nur knapp über einem Nuller an der Nordsee. Bemerkenswert sind die starken negativen Anomalien der Luftmassentemperatur rund um Island und vor Portugal, die sich aber kaum bis zum Boden durchsetzen, hier wird nur eine schwache negative Abweichung um -1 Grad zur Vergleichsperiode 1991-2020 gerechnet.
Die grösste Unsicherheit besteht wie meistens beim Niederschlag. Unser Lauf zeigt eine nasse Strasse von den Balearen über Frankreich und Norddeutschland bis zur Ostsee, was der durchschnittlichen Lage der Frontalzone bei Süd- bis Südwestlagen entspricht. Demnach wäre der Alpenraum aufgrund des hohen Geopotenzials im normalen bis leicht zu trockenen Bereich, aber eben: Eine geringe Verschiebung der Druckzentren kann das alles über den Haufen werfen. Insbesondere die Alpensüdseite wäre bei einer Annäherung des Trogeinflusses prädestiniert für Starkregenereignisse aufgrund der rekordhohen Temperatur des Mittelmeers – unser Lauf zeigt dies ja andeutungsweise zwischen Algerien und den Balearen. Ein kleiner Schubser und die Sosse landet bei uns, dann spricht rasch keiner mehr über Dürre und Waldbrandgefahr – viel eher stellt sich die Frage, wie viel die oberflächlich ausgetrockneten Böden aufzunehmen vermögen.
Auswirkungen auf die Vogelwelt:
Regen wäre dringend nötig in weiten Teilen Mitteleuropas, insbesondere für die Brutgebiete an Klein- und Flachgewässern. Die schwache Schneeschmelze nach dem niederschlagsarmen Winterhalbjahr lässt die Pegel der Alpenrandseen unter dem Durchschnitt bleiben, was die Nahrungssuche von Limikolen auf Schlickflächen erleichtert und Brutverluste durch Hochwasser unwahrscheinlicher macht. Nach rekordtiefen Pegelständen wie vor Jahresfrist sieht es aber aber derzeit nicht aus. Ein Winterrückfall ist nach aktueller Lage eher unwahrscheinlich, die Brutsaison der Gebirgsvögel kann somit zeitig starten.

Prognostizierte Abweichung der Monatsmitteltemperatur in rund 1500 m Höhe gegenüber der Klimanorm 1991-2020

Prognostizierte Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausführungen im Text beachten!)
Die experimentelle Monatsprognose nimmt Trends über die zu erwartende Entwicklung der Grosswetterlage in Europa auf und soll mögliche Auswirkungen der Witterung auf Vogelzug, Bruterfolg und Nahrungsverfügbarkeit der Vögel in den verschiedenen Regionen aufzeigen. Die Einschätzungen über Abweichung von Temperatur und Niederschlag sind jeweils über den Gesamtmonat gemittelt und können somit auch sich ausgleichende Extreme enthalten. Eine genaue Prognose über den detaillierten Witterungsverlauf ist in der Regel nicht möglich. Erfahrungsgemäss stimmt der Trend für die erste Monatshälfte recht gut, während in der zweiten Monatshälfte die Wahrscheinlichkeit von markanteren Abweichungen gegenüber der Prognose zunimmt.
Eine Verifikation der Langfristprognose für den vergangenen Monat mit einem Rückblick der Witterung in Europa finden Interessierte je nach Datenverfügbarkeit ab ungefähr dem 10. des Folgemonats im Blog der Partnerseite fotometeo.ch. Die europäischen Portale brauchen leider für die Veröffentlichung deutlich länger als die NOAA, deren Analyse-Tool seit Mitte März nicht mehr aktualisiert wird.
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