Nachdem in den letzten Wochen die nordhemisphärische Zirkulation völlig aus dem Ruder gelaufen ist (Erläuterungen dazu in der Februar- und Winteranalyse, die am 4. März bzw. zur Monatsmitte im fotometeo-Blog erscheinen), kann so rasch mit einer Normalisierung nicht gerechnet werden. Zumal jetzt auch noch kurzfristig wieder eine plötzliche Stratosphären-Erwärmung ansteht und weitere Unruhe stiftet. Die nächste völlig blockierte Lage ist unvermeidlich und wird wahrscheinlich weite Teile des Märzen prägen.

Mitte März herrscht im Fanel am Neuenburgersee rege Betriebsamkeit: Vor allem Kormorane und Mittelmeermöwen halten in grosser Zahl Ausschau nach geeigneten Nistplätzen (17.03.2014)
Zwar ist die extreme Ausprägung der Blockadesituation erst seit zwei Tagen in den Modellen ersichtlich, Anzeichen dafür gab es aber bereits früher, einfach weniger ausdauernd, weil statistisch die erste Märzhälfte eigentlich noch zur überwiegend zonalen winterlichen Zirkulation gehört. Die Statstik der Grosswetterlagen der letzten Jahre zeigt jedoch auch eine starke Zunahme von Hochdrucklagen im März, daher erscheint das nachfolgend beschriebene Szenario durchaus plausibel. Der ausgewählte Lauf erinnert stark an den März 2012: Stetig wiederkehrende blockierende Hochs liegen irgendwo zwischen Nord- und Mitteleuropa oder über den Britischen Inseln. Feuchte atlantische Luftmassen haben nur selten eine Chance, auf den Kontinent zu gelangen: Eine Westlage wäre vermutlich eine winkelförmige, weil das Hoch im Osten zu stark dagegenhält. Bei zeitweiliger Verlagerung des Hochs nach Skandinavien oder nach Osteuropa sind auch Wetterlagen des Typs Ost bis Süd möglich.
Die allerjüngsten CFS-Läufe zeigen im südlichen Mitteleuropa grossräumige Abweichungen von drei bis zum Teil mehr als vier Grad zur Vergleichsperiode 1991-2020. Dies wäre im Bereich des Rekordmärzen 1994, der jedoch stark von Westlagen geprägt war. Persistente Hochdrucklagen hingegen sorgen für klare und frostige Nächte, was das Mittel etwas dämpft, daher sind Abweichungen von 2-3 Grad in den Niederungen realistischer. Ein rekordwarmer März wäre allenfalls im Gebirge oberhalb der Inversion in Reichweite, hier hat 2017 die Marke gesetzt. All diese Überlegungen haben zur Auswahl des vorliegenden CFS-Laufs geführt.
In West- und Mitteleuropa sieht es verbreitet nach einem sehr trockenen März aus, die Hälfte des üblichen Niederschlags dürfte meistenorts das obere Ende der Fahnenstange sein. Südöstlich der Alpen im Lee einer allfälligen Westlage, die frühestens in der zweiten Monatshälfte zu erwarten wäre, könnte der Monat sogar komplett trocken verlaufen. Die atlantischen Strömungen werden weit nach Norden abgelenkt und bringen der norwegischen Küste bzw. dem Skanden-Gebirge reichlich Niederschlag. Abgetropfte Tiefs hinterlassen im westlichen Mittelmeer und auf der Iberischen Halbinsel ihre Spuren, wenn auch nicht mehr so extrem wie mit den atmosphärischen Flüssen (südliche Westlage) im Januar und Februar.
Auswirkungen auf die Vogelwelt:
Die Kurzstreckenzieher kehren derzeit in grosser Zahl nach Mitteleuropa zurück oder sind bereits seit einigen Tagen da, hier könnte allenfalls garstiges Wetter in Spanien den späteren Südwestziehern den Weg abschneiden und für Verzögerungen sorgen. Allfällige Hoffnungen auf späte Winterfluchten nordischer Arten nach Mitteleuropa haben sich bereits mit der sehr milden zweiten Februarhälfte zerschlagen. Alles in Allem sieht es also aus ornithologischer Sicht nach einem recht normalen Märzverlauf aus und die tiefen Pegelstände der Alpenrandseen ermöglichen gute Beobachtungen von rastenden Limikolen auf den Schlickflächen.

Prognostizierte Abweichung der Monatsmitteltemperatur 2 m über Boden gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausführungen im Text beachten!)

Prognostizierte Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausführungen im Text beachten!)
Die experimentelle Monatsprognose nimmt Trends über die zu erwartende Entwicklung der Grosswetterlage in Europa auf und soll mögliche Auswirkungen der Witterung auf Vogelzug, Bruterfolg und Nahrungsverfügbarkeit der Vögel in den verschiedenen Regionen aufzeigen. Die Einschätzungen über Abweichung von Temperatur und Niederschlag sind jeweils über den Gesamtmonat gemittelt und können somit auch sich ausgleichende Extreme enthalten. Eine genaue Prognose über den detaillierten Witterungsverlauf ist in der Regel nicht möglich. Erfahrungsgemäss stimmt der Trend für die erste Monatshälfte recht gut, während in der zweiten Monatshälfte die Wahrscheinlichkeit von markanteren Abweichungen gegenüber der Prognose zunimmt.
Eine Verifikation der Langfristprognose für den vergangenen Monat mit einem Rückblick der Witterung in Europa finden Interessierte jeweils ab dem 4. des Folgemonats im Blog der Partnerseite fotometeo.ch.
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