Ein gutes Neues Jahr erst mal allen! Die Modellwelt will davon allerdings nichts wissen und macht genau so chaotisch weiter wie 2025, ebenso sind die Nachrichten heute Morgen auch schon mal ein Ablöscher, aber bleiben wir besser beim Wetter… Nach einem Dezember, der sich so gar nicht an die langjährigen Statistiken in Sachen Wetterlagen-Häufigkeit hielt inklusive ausgebliebenem Weihnachtstauwetter, stellt sich natürlich die Frage: Wann renkt sich das wieder ein? Eine Zonalisierung der Zirkulation ist überfällig, sie wird also kommen – fragt sich nur: wann?

Symbolvogel für diesen Monat ist die Elster: Schwarz-weiss steht für zwei völlig unterschiedlich temperierte Monatshälften. Ob das Blau für die Himmelsfarbe steht oder für viel Wasser, darüber hüllt sich das Orakel in Schweigen
Nein, Modellgläubigkeit hilft uns auch in diesem Monat nicht weiter. Ob das Wetter kaputt ist oder die Modelle, bzw. die Daten die in jene einfliessen – man weiss es so genau nicht und es spielt auch keine Rolle, damit leben müssen wir so oder so… Die Regime-Wahrscheinlichkeiten sind für das erste Monatsdrittel eindeutig, danach ist es ein völlig offenes Rennen zwischen Milderung (blau = westlastig), Gedümpel (rot = hochdrucklastig) oder weiterhin kalt (grün = südliche Frontalzone). Das Ensemble-Mittel (am unteren Rand diagonal schraffiert) ist auf kalt gebürstet, allerdings ist dies der 12z-Lauf von Silvester, nach Durchsicht der 00z-Modelle vom Neujahrsmorgen sieht das schon wieder anders aus und am Abend wird wahrscheinlich noch mal neu gewürfelt. Von dieser Seite ist also keine Hilfe zu erwarten, es muss wieder mal das „Bauchgefühl“ – auch Erfahrung genannt – entscheiden:

Wer A sagt, muss auch B sagen: Wenn ich davon ausgehe, dass die Zonalisierung irgendwann im mittleren Monatsdrittel einsetzt, dann können weder die zahlreich vorhandenen Kaltläufe noch die neuesten Warmläufe des CFS-Modells stimmen. Es muss also ein Mittelding geben, das zwei völlig unterschiedliche Monatshälften in einer Karte vereint. In diesem Fall wird von einer negativen Druckanomalie ausgegangen, die sich von Neufundland über den gesamten Nordatlantik bis ins nördliche Mitteleuropa erstreckt. Gegenspieler sind Hochdruckgebiete um Grönland, in Osteuropa und rund um Gibraltar. Diese Verteilung spricht nach einer relativ sicheren Blockadesituation auf dem Atlantik bis mindestens am 9. Januar mit Grosswettertyp überwiegend Nord bis Nordwest für eine recht turbulente zweite Monatshälfte mit vorwiegend West- bis Südwestlagen, die sich auch in der Temperaturverteilung zeigt.
Bei einem nach den aktuellen Mittelfristmodellen aufgelaufenen Minus von ungefähr -3 Grad zur Norm 1991-2020 bis zur Monatsmitte wird es spannend, ob die zweite Monatshälfte dies wettzumachen vermag. Der ausgewählte Lauf geht davon aus, dass dies im westlichen Mitteleuropa knapp gelingt, im Osten eher nicht. Da wir für dieses Szenario von einer sehr milden zweiten Monatshälfte ausgehen müssen, sei mal wieder auf unser Kleingedrucktes weiter unten hingewiesen, das so klein gar nicht ist und bewusst farbig hervorgehoben. Das Wagnis einer solchen Prognose liegt darin begründet, dass es letztmals 2017 einem Januar gelang, bis zum Ende das Minus zu konservieren und der Trend weiterhin klar aufwärts zeigt (das gleitende Mittel 1996-2025 ist in den Niederungen der Deutschschweiz bereits wieder 0.13 Grad wärmer als 1991-2020).
Abgesehen von den ersten drei Tagen ist in der Mittelfrist nicht viel Niederschlag in Mitteleuropa zu sehen, erst ab dem 9. oder 10. sind wieder ernst zu nehmende Signale vorhanden. Trotzdem sehen wir eine verbreitet ausgeglichene Niederschlagssumme im Vergleich zum langjährigen Mittel, die zweite Monatshälfte wird nördlich der Alpen also eher nass (dringend nötig wäre es ja…). Bei Anströmung zuerst aus überwiegend nördlicher, dann westlicher Richtung bleibt aber die Alpensüdseite weitgehend trocken – was eher dagegen spricht, dass die Strömung noch weiter bis in den Südsektor dreht. Die überdurchschnittlichen Niederschläge an den Westküsten Südeuropas deuten darauf hin, dass in einer Übergangsphase auch mit südlichen Westlagen zu rechnen ist, die im Regime oben von den grünen Balken abgebildet werden.
Auswirkungen auf die Vogelwelt:
Der jüngste Kälteeinbruch hat ordentlich Bewegung in die Vogelwelt gebracht, Winterfluchten sind derzeit gut zu beobachten. Spannung verspricht die in den letzten Dezembertagen vermehrte Sichtung von grösseren Seidenschwanz-Trupps im Nordosten Deutschlands – es wäre nach vielen Jahren wieder mal an der Zeit für eine Invasion bis ins südliche Mitteleuropa. Eine längere Kältephase wie jetzt könnte dabei helfen, die Frage bleibt eben auch hier, ob sie lange genug andauert.

Prognostizierte Abweichung der Monatsmitteltemperatur 2 m über Boden gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausführungen im Text beachten!)

Prognostizierte Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausführungen im Text beachten!)
Die experimentelle Monatsprognose nimmt Trends über die zu erwartende Entwicklung der Grosswetterlage in Europa auf und soll mögliche Auswirkungen der Witterung auf Vogelzug, Bruterfolg und Nahrungsverfügbarkeit der Vögel in den verschiedenen Regionen aufzeigen. Die Einschätzungen über Abweichung von Temperatur und Niederschlag sind jeweils über den Gesamtmonat gemittelt und können somit auch sich ausgleichende Extreme enthalten. Eine genaue Prognose über den detaillierten Witterungsverlauf ist in der Regel nicht möglich. Erfahrungsgemäss stimmt der Trend für die erste Monatshälfte recht gut, während in der zweiten Monatshälfte die Wahrscheinlichkeit von markanteren Abweichungen gegenüber der Prognose zunimmt.
Eine Verifikation der Langfristprognose für den vergangenen Monat mit einem Rückblick der Witterung in Europa finden Interessierte jeweils ab dem 4. des Folgemonats im Blog der Partnerseite fotometeo.ch.
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