Der Sommer 2026 hat bereits in den ersten zwei Monaten viele Rekorde gebrochen – sei es bei den Tageshöchstwerten seit Messbeginn an unzähligen Stationen, bei der Anzahl Hitzetage über 30, jener der sehr heissen Tage über 35 und gar bei den extrem heissen Tagen über 40 Grad. Die einzige Frage, die sich jetzt noch stellt: Kann der Gesamtsommer 2026 den bisherigen Ausnahmesommer 2003 von der Spitze verdrängen? Bisher ist er auf Kurs, doch mit zwei sehr heissen Dritteln hat der August 2003 die Latte sehr hoch gehängt. Es wird also darauf ankommen, ob der 2026er sein Ding bis zum Ende durchzieht. Auch in Sachen Trockenheit rangiert der Sommer 2026 bisher vielerorts unter den schlimmsten, da würde auch ein regional nasser August nicht mehr viel retten.

Einfach nur zum davonfliegen, dieser Sommer 2026!
Was im Juli ganz gut geklappt hat, gilt auch für den August: Einfach auf den wärmsten CFS-Lauf der letzten fünf Tage setzen. Dies gilt umso mehr, da die bis vor wenigen Tagen noch wiederkehrenden Kaltläufe zuletzt ausgeblieben sind und das Niveau allgemein wieder angehoben wurde. Zumindest bis zur Monatsmitte ist keine Abkehr vom bisherigen Sommermuster zu erkennen. Allenfalls könnte in der Woche um den 20. August mal eine tiefdruckbestimmte Phase auftreten, der neueste SubSeasonal-Lauf der Europäer deutet sowas an.
Der favorisierte Lauf rechnet mit je einer gemässigten Hochdruckanomalie mit Zentrum über der Ukraine, die aber ebenfalls das gesamte Festland bis nach Westeuropa umfasst, und einer im Raum Südgrönland-Island. Dazwischen schiebt sich eine schwache Tiefdruckanomalie, die sich vom zentralen Nordatlantik über die Britischen Inseln bis Skandinavien erstreckt. Mitteleuropa befindet sich zwischen diesen Druckzentren somit in einer vorwiegend südwestlichen bis westlichen Höhenströmung mit mehr Hoch- als Tiefdruck. Austrogungen vor den Westküsten Europas können auch für kurzzeitige Südlagen sorgen, angesichts der nur schwachen Anomalien sind aber auch Einschübe anderer Grosswettertypen (etwa Nordwest, Nord oder gar Tief Mitteleuropa) wahrscheinlich. Eher wenig deutet auf Ostlagen hin.
Mit einer Abweichung von +2 bis 3 Grad zum Mittel 1991-2020 ist der August 2026 im Alpenraum und in Süddeutschland ein Kandidat für Rang 2 oder 3 knapp hinter 2003 und somit in der Lage, dort den bisher wärmsten Gesamtsommer 2003 abzulösen – möglicherweise werden über grössere Flächen nur wenige Zehntelgrad entscheiden und ein regionaler Flickenteppich ist wahrscheinlich. Schlussendlich müssig und nur für Statstikfreaks interessant, denn in Sachen Auswirkungen nehmen sich die beiden Sommer nichts. Wie bereits im Juli besteht ein starkes Gefälle nach Norden hin, da die Ostsee derzeit unterdurchschnittliche Wassertemperaturen aufweist und dort unter mehr Tiefdruckeinfluss auch ein Augustmittel unter der langjährigen Norm möglich ist. Am höchsten ist die Wahrscheinlichkeit dafür im südlichen Skandinavien und im Baltikum.
In weiten Teilen West- und Mitteleuropas und insbesondere in den Alpen wird mit leicht überdurchschnittlichen Niederschlägen gerechnet. Ausnahme bildet das Flachland des Alpenvorlandes, was angesichts der Tatsache, dass sich der Sommer 2026 dort mit der anhaltenden Dürre ein eigenes Klima geschaffen hat und fast sämtliche Fronten und Gewitterlinien in den letzten zwei Wochen weitgehend vertrocknet sind, nicht unplausibel erscheint. Hier braucht es schon mal eine zyklonale Lage mit mindestens einem „Doppelwumms“, um den Trend umzukehren. Ob die dritte Augustwoche diesen bringen kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Interessant sind die wiederkehrenden stark positiven Niederschlagssignale auf der Iberischen Halbinsel und im westlichen Mittelmeer. Allerdings darf man sich hier von den extremen Abweichungen nicht blenden lassen, denn im August mit einer Klimanorm nahe Null reicht schon ein einziges Gewittertief, um ein Mehrfaches der üblichen Menge zu erzielen. Ein kleines CutOff-Tief oder ein verirrter Hurricane, der sich über der warmen Temperaturanomalie des Atlantiks zwischen Azoren und Portugal pudelwohl fühlen würde, könnte dafür besorgt sein. Nicht zuletzt ist auch das absurd warme westliche Mittelmeer in diesem Spätsommer und im kommenden Herbst eine perfekte Brutstätte für Medicanes.
Auswirkungen auf die Vogelwelt:
Angesichts völlig ausgetrockneter Flachgewässer, rekordtiefen Wasserständen an den unregulierten Alpenrandseen und kaum noch wasserführenden Flüssen, die kein Gletscher-Einzugsgebiet aufweisen, werden die Rastplätze für die jetzt aus dem hohen Norden wegziehenden Vögel rar. Ob die Schlickflächen, die in den Flachwasserzonen etwa am Bodensee entstanden sind, gleichwertigen Ersatz bieten können, ist mangels Erfahrung schwer einzuschätzen. Massenhaftes Fischsterben setzt auch den Vögeln zu, die sich auf deren Jagd spezialisiert haben. Meist ist derzeit nur von den Auswirkungen der Dürre auf die Landwirtschaft zu lesen. Verheerend ist die Situation aber auch meistenorts in den Wäldern, wo Samen und Beeren, die für die Winternahrung wichtig sind, oft schon vor der Reife verdorren oder abfallen. Was an den Bäumen und Sträuchern reifen kann, ist oft kümmerlich, wenn auch für Menschen herrlich süss und aromatisch und somit wohl auch für die Wildtiere nahrhaft, aber eben mengenmässig bedenklich. Dies wird auch ein durchschnittlicher oder gar nasser August nicht mehr flicken können, aber zumindest für das Grundwasser und die Flüsse wäre es wünschenswert.

Prognostizierte Abweichung der Monatsmitteltemperatur in rund 1500 m Höhe gegenüber der Klimanorm 1991-2020

Prognostizierte Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausführungen im Text beachten!)
Die experimentelle Monatsprognose nimmt Trends über die zu erwartende Entwicklung der Grosswetterlage in Europa auf und soll mögliche Auswirkungen der Witterung auf Vogelzug, Bruterfolg und Nahrungsverfügbarkeit der Vögel in den verschiedenen Regionen aufzeigen. Die Einschätzungen über Abweichung von Temperatur und Niederschlag sind jeweils über den Gesamtmonat gemittelt und können somit auch sich ausgleichende Extreme enthalten. Eine genaue Prognose über den detaillierten Witterungsverlauf ist in der Regel nicht möglich. Erfahrungsgemäss stimmt der Trend für die erste Monatshälfte recht gut, während in der zweiten Monatshälfte die Wahrscheinlichkeit von markanteren Abweichungen gegenüber der Prognose zunimmt.
Eine Verifikation der Langfristprognose für den vergangenen Monat mit einem Rückblick der Witterung in Europa finden Interessierte je nach Datenverfügbarkeit ab ungefähr dem 10. des Folgemonats im Blog der Partnerseite fotometeo.ch. Die europäischen Portale brauchen leider für die Veröffentlichung deutlich länger als die NOAA, deren Analyse-Tool seit Mitte März nicht mehr aktualisiert wird.
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