Oje, schon wieder April! ;-) Am liebsten würde man diese Prognose überspringen, denn bekanntlich macht der April, was er will. Und das haben auch die Wettermodelle gemerkt, die wedeln seit Tagen wie ein Welpenschwanz. Wobei da eher der Schwanz mit dem Hund wedelt, denn wenn sogar innerhalb der kürzeren Mittelfrist (also die Prognose für die erste Woche) die Modelle von der zonalen Zirkulation in den Block und wieder zurück springen, steht man auf verlorenem Posten. Oder man stützt sich auf Statistiken der Grosswetterlagen-Entwicklung, die uns ja jetzt dank viel Fleissarbeit in den Wintermonaten zur Verfügung steht.

Mit etwas Glück findet man am Frühjahrszug auch heimliche Waldbewohner an ungewöhnlichen Orten: Waldlaubsänger im Kurpark Oberlaa (Wien-Favoriten, 17.04.2010)
Die über die Ostertage anstehende Westlage ist erst vor kurzem in den Mittelfristmodellen aufgetaucht und die Langfristmodelle haben sie noch nicht wirklich implementiert. Davor wurde lange Zeit ein winterliches Osterfest mit grauslicher Nordostlage oder zumindest herumirrenden Kaltlufttropfen gerechnet, dann eine stabile, schon fast frühsommerliche Hochdrucklage, jetzt also West. Nun gut, hilft alles nix… So weiss man gleich Bescheid, dass es mit der Prognosegüte für den Gesamtmonat auch nicht allzu gut bestellt sein kann, und dies ist ja im April keine überraschende Neuigkeit. Wir versuchen es trotzdem: Der bevorzugte Modelllauf zeigt eine ausgeprägte Hochdruckanomalie mit Schwerpunkt über dem Nordmeer bis Skandinavien mit einem Ausläufer bis ins westliche Mitteleuropa. Tiefdruckanomalien nehmen auf dem Atlantik den gesamten Raum zwischen Island und den Azoren ein sowie den südlichen Mittelmeerraum und Südosteuropa. Die Breite des Hochdrucks deutet darauf hin, dass nach der (vorübergehenden) Westlage hauptsächlich Wetterlagen des Typs Ost (und zwar das gesamte Spektrum) und Nord dominieren sollen, aber auch Hoch Mitteleuropa sollte mal ein Gastspiel geben. Das entspricht dem gängigen Muster des Aprils der letzten Jahre, aber eben: Überraschungen sind vorprogrammiert.
Die Temperaturabweichung in West- und Mitteleuropa wird zurückhaltend gerechnet, was aufgrund der gegebenen Unsicherheiten mit ein Grund war, diesen Lauf herauszupicken. Von einem deutlich zu kalten bis ausserordentlich warmen April bietet das Modell nämlich in anderen Läufen alles an. Die Erfahrung spricht aber dafür, dass wir ein heftiges Auf und Ab erleben dürften, was sich schlussendlich im Monatsmittel einigermassen ausgleicht. Dass der Osten eher zur kühleren Seite und der Westen zur wärmeren tendiert, ist den Nordlagen geschuldet. In der Bodenkarte verläuft die Null-Linie durch Österreich über den Böhmerwald und Tschechien nach Polen, während in den Westalpen ein kleines Gebiet mit Abweichungen von über +2 Grad erscheint (das werden wohl Ost- bis Südostföhneffekte sein), sonst in Mitteleuropa verbreitet etwa +1 Grad zur Periode 1991-2020. Dass es in Teilen Südosteuropas und Nordafrikas wie vom Modell gerechnet Abweichungen von -3 Grad und kälter geben soll, darf erfahrungsgemäss bezweifelt werden.
Im hochdruckdominierten Nord- und Mitteleuropa dürfte der April deutlich zu trocken ausfallen, nahe an die Norm kommt jedoch die Alpensüdseite durch kurzzeitige Südoststaulagen. Deutlich zu nass wird fast der gesamte Mittelmeerraum gerechnet, da die Kaltlufttropfen aus Norden über dem warmen Wasser für ausreichend Labilität sorgen. Die tiefblauen Flächen dürften aber kaum so gross ausfallen wie gezeigt. Wen es genau und wie häufig mit konvektiven Niederschlägen erwischt, ist dem Zufall überlassen – mit turbulenten Phasen ist jedoch immer wieder zu rechnen.
Auswirkungen auf die Vogelwelt:
Der häufige Tiefdruckeinfluss rund ums östliche Mittelmeer kann für deutliche Verzögerungen bei der Ankunft der Südost- und Mittelmeerzieher sorgen, je nachdem wie hartnäckig sich allfällige Schlechtwetterzonen über den bevorzugten Zugrouten (Israel, Bosporus, Süditalien) halten. Für die Südwestzieher sieht es diesmal besser aus, aber auch hier kann die Modellunsicherheit noch ins Gegenteil umschlagen. Viele seichte Gewässer in Mitteleuropa könnten noch etwas Wasser vertragen, aus heutiger Sicht sieht es diesbezüglich aber mau aus. Dank zuletzt intensiven Schneefällen in den Nordalpen kann jetzt immerhin mit einigermassen normalem Schmelzwassereintrag und Pegelständen an den Alpenrandseen gerechnet werden.

Prognostizierte Abweichung der Monatsmitteltemperatur in rund 1500 m Höhe gegenüber der Klimanorm 1991-2020

Prognostizierte Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (bitte Ausführungen im Text beachten!)
Die experimentelle Monatsprognose nimmt Trends über die zu erwartende Entwicklung der Grosswetterlage in Europa auf und soll mögliche Auswirkungen der Witterung auf Vogelzug, Bruterfolg und Nahrungsverfügbarkeit der Vögel in den verschiedenen Regionen aufzeigen. Die Einschätzungen über Abweichung von Temperatur und Niederschlag sind jeweils über den Gesamtmonat gemittelt und können somit auch sich ausgleichende Extreme enthalten. Eine genaue Prognose über den detaillierten Witterungsverlauf ist in der Regel nicht möglich. Erfahrungsgemäss stimmt der Trend für die erste Monatshälfte recht gut, während in der zweiten Monatshälfte die Wahrscheinlichkeit von markanteren Abweichungen gegenüber der Prognose zunimmt.
Eine Verifikation der Langfristprognose für den vergangenen Monat mit einem Rückblick der Witterung in Europa finden Interessierte je nach Datenverfügbarkeit ab ungefähr dem 10. des Folgemonats im Blog der Partnerseite fotometeo.ch. Die europäischen Portale brauchen leider für die Veröffentlichung deutlich länger als die NOAA, deren Analyse-Tool seit Mitte März nicht mehr aktualisiert wird.
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